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Hugo Schacht2

Stahlkastenfördergerüst von 1974 über Schacht 2 und das Kraftwerk

Die Zeche Hugo war ein Steinkohlebergwerk in Buer (Stadtteil).

Geschichte Bearbeiten

1870–1914 Bearbeiten

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Kraftwerk und Kohlenaufbereitung

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Blick von der Halde auf das Bergwerk, links im Hintergrund das Kohlekraftwerk Scholven

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Schachtanlage Hugo 1/4 mit Gasabsaugeanlage

In den Jahren 1870 bis 1872 wurden diverse Mutungsbohrungen westlich von Buer fündig. Unter Leitung des Essener Kaufmanns Hugo Honigmann wurde durch Anteilseigner aus Essen, Mülheim an der Ruhr und Buer am 24. März 1873 die Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Hugo gegründet und am 2. April 1874 bergrechtlich genehmigt.

1873 wurde an der Landstraße nach Horst mit dem Abteufen des ersten Schachtes begonnen. 1875 konnte dieser in Betrieb gehen. Er wurde mit dem ersten eisernen Fördergerüst der Bauart Promnitz in Deutschland ausgestattet. Aufgrund technischer Schwierigkeiten bei der Inbetriebnahme des Schachtes wurde bald der Zufluss ausländischen Kapitals notwendig. Aus diesem Grunde wurde die bergrechtliche Gewerkschaft Hugo 1881 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, an der der international agierende Montankonzern Harpener Bergbau AG die Aktienmehrheit hatte.

1881 bis 1885 wurde am Brößweg der Schacht 2 abgeteuft, und als Förderschacht eingerichtet. Dieser Schacht wurde mit einem Tomson-Bock ausgestattet. Im Südfeld folgte nun von 1891 bis 1895 der Schacht 3.

Zur Konzentration der Förderung auf die Schachtanlagen 1 und 2 wurden diese mit der Zeit zu Doppelschachtanlagen ausgebaut. Es wurden niedergebracht:

  • von 1899 bis 1902 neben Schacht 1 der Schacht 4. Er erhielt einen Tomson-Bock als Fördereinrichtung.
  • von 1905 bis 1909 neben Schacht 2 der Schacht 5. Hier wurde ebenfalls ein Tomson-Bock errichtet, der letzte, der im Bergwerksbesitz der Harpen AG errichtet wurde.

1906 erhielt die Schachtanlage 2/5 zusätzlich eine Kokerei. Eine 1914 auf Schacht 1/4 angeblasene Kokerei musste kurz danach wieder außer Betrieb genommen werden. Die Abbaubetriebe wurden nach und nach modernisiert. Es wurden verstärkt Schüttelrutschenförderungen eingesetzt.

1914–1960 Bearbeiten

Nach dem ersten Weltkrieg führte die Harpen AG mehrere Zusammenfassungsmaßnahmen durch. 1928 folgte die Außerbetriebnahme der Förderschachtanlage 3. Sie wurde als Seilfahrt- und Wetterschachtanlage fortbetrieben. 1930 wurde ferner die Kokerei Hugo 2/5 stillgelegt.

Ab 1934 wurde wegen der geänderten politischen Rahmenbedingungen wieder der Ausbau der Zeche in Angriff genommen. Die Aufbereitungsanlagen Schacht 2/5 wurden umfangreich erneuert.

Der östliche und nördliche Grubenfeldbereich wurde nach und nach durch Seilfahrtschachtanlagen aufgeschlossen.

  • 1934 bis 1936 wurde Schacht Hugo 6 niedergebracht. Dieser Schacht wurde später Hugo-Ost genannt.
  • 1940 folgte an der Grenze zu Scholven der Schacht 7, genannt Hugo-Nord. Dieser ging 1944 in Betrieb.

1944 erlitt die Schachtanlage 2/5 schwere Bombenschäden. Die Förderung musste auf die Schachtanlage 1/4 verlagert werden. Nach Behebung der Kriegsschäden und Ausstattung des Schachtes 2 mit Gefäßförderung wurde 1947 die Förderung nach Hugo 2/5 zurückverlegt. Die Schachtanlage 1/4 stellte endgültig die Förderung ein. Gleichzeitig wurde aber auf 1/4 eine neue Kokerei mit 140 Koksöfen in Betrieb genommen.

1952 wurde die Zeche Hugo gemäß Beschluss des Alliierten Kontrollrates aus der Harpen AG ausgegliedert, und der Essener Steinkohlenbergwerke AG zugeordnet.

Ab 1954 wurde die Anlage 2/5 umfassend ausgebaut. Die neuen Gebäude wurden durch den Architekten Fritz Schupp gestaltet. 1957 bis 1960 wurde auf 2/5 der neue Förderschacht 8 niedergebracht, welcher mit Großraumwagenförderung die Hauptförderung übernahm. Neben ihm wurde eine komplett neue Aufbereitung errichtet. Dieses Ensemble ist ebenfalls durch Schupp gestaltet worden.

1960–1997 Bearbeiten

1967 wurde der nicht mehr benötigte Schacht 3 verfüllt. 1968 ging die Zeche Hugo in die neu gegründete Ruhrkohle AG ein. Das Kraftwerk Hugo 2/5/8 wurde von der Steinkohlen Elektrizität AG (STEAG) übernommen.

1971 konnte die Zeche viele der im Rahmen des Gesamtanpassungsplans der Ruhrkohle freigesetzten Bergleute der ehemaligen Zeche Graf Moltke übernehmen. Es wurden weitere Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. Die Gefäßförderkapazität des Schachtes Hugo 2 wurde vergrößert. Dazu erhielt der Schacht 1974 ein neues Stahlkastengerüst mit Vierseilförderung, um die Förderung in 30-t-Gefäßen zu ermöglichen.

Ab 1973 wurde verstärkt der Abbau der Flammkohlenvorräte der ehemaligen Zeche Graf Bismarck in Angriff genommen. Dazu musste das Südfeld wettertechnisch besser erschlossen werden. Daher wurde von 1974 bis 1979 der Schacht Hugo 9 als reiner Wetterschacht abgeteuft.

1977 wurde die Kokerei 1/4 endgültig stillgelegt. Die Schächte 1/4 wurden mit kleineren Förderanlagen ausgestattet.

Die Förderung 1980 betrug 3,5 Mio. t Fett-, Gas- und Gasflammkohle bei 5000 Beschäftigten.

1986 wurde der Schacht 5 mit einer Turmfördermaschine ausgestattet, um als zentraler Seilfahrt und Materialschacht dienen zu können.

Am 1. Januar 1993 wurde die Zeche Hugo gemäß den Beschlüssen der Kohlerunde mit der Zeche Consolidation und Nordstern zum Bergwerk Hugo/Consolidation zusammengeschlossen.

Stilllegung Bearbeiten

Am 1. April 1997 erfolgte der Verbund mit dem Bergwerk Ewald/Schlägel & Eisen zum Bergwerk Ewald-Hugo. Die Förderung wurde nach Ewald verlagert. Dieses Bergwerk wurde am 30. April 2000 geschlossen.

Heutiger Zustand Bearbeiten

Grubengas Hugo

Grubengasgewinnungs- und -verwertungsanlage an den stillgelegten Schächten Hugo 1/4 in Gelsenkirchen

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Ehemaliges Bahnwärtergebäude an der Hugo-Bahn

Die verbliebenen Schächte sind zwischen 1997 und 2001 verfüllt worden. Im Anschluss erfolgte der fast restlose Abbruch der Tagesanlagen aller Schachtanlagen, auch der umfangreichen Schupp'schen Gebäude auf Hugo 2/5/8 und Gebäuden aus der Gründerzeit, der mit der Sprengung des Kraftwerks auf Hugo 2/5/8 seinen Abschluss fand.

Einer Initiative von ehemaligen Bergleuten und Nicht-Bergleuten Hugo ist es zu verdanken, dass Fördergerüst und Fördermaschine von Schacht Hugo 2 nicht abgebrochen wurden. Sie wurden 2005 von der Stadt Gelsenkirchen übernommen, und werden als Museum eingerichtet. Klaus Herzmanatus, letzter Betriebsratsvorsitzender des Bergwerks Hugo ist Geschäftsführer und Motor des Trägervereins Hugo Schacht 2 e.V. Der Aktionskreis zum Erhalt des Schachts hat mittlerweile eine Stärke von knapp 50 Personen.

Der Trägerverein unterhält zusammen mit dem Geschichtskreis Hugo/Schüngelberg "das kleine Museum", hier gibt es Bergbau- und Heimatgeschichte zu erleben, sowie die Verbindung des FC Schalke 04 zu den Knappen zu sehen.

Ebenfalls ist die Markenkontrolle Hugo 1/4 erhalten, die heute Gastronomie beherbergt. Auch die alte Direktion und einige Beamtenhäuser an der Horster Straße zeugen von der bergbaulichen Vergangenheit. Des Weiteren sind natürlich in der Umgebung immer wieder mal ausgemusterte Förderwagen in Vorgärten und auch aufgestellte Seilscheiben an der Horster Straße (Ecke Horster-/Hugostraße) zu finden.

Außenschächte Nord, Ost, 9, EMU 2 wurden ebenfalls verfüllt - hier teilweise Grubengasnutzung.

Auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage 1/4 wird Grubengas über Schachtleitungen abgesaugt und zur Stromerzeugung genutzt. Die Grubengasgewinnungsanlage besteht aus Gassaugern (Drehkolbengebläse) und die Verwertungsanlage aus Gasmotoren mit angekuppelten Stromgeneratoren. Die Komponenten sind in Container untergebracht und der Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Auf dem Gelände des Nebenanlagen Hugo Ost und Hugo 9 sind ebenfalls Grubengasgewinnungsanlagen aufgebaut.

Das Schrankenwärterhäuschen der Hugo-Bahn an der Horster Straße blieb durch den Einsatz von Alfred Konter erhalten. Der im Volksmund als Don Alfredo bekannte ehemalige Bedienstete der Hugo-Bahn weigerte sich das Gebäude beim Anrollen des Abrissbaggers zu verlassen. Letztendlich konnte er den Abriss verhindern und das Häuschen wird jetzt vom Regionalverband Ruhr verwaltet, und Alfred Konter hat Erinnerungsstücke in dem Häuschen ausgestellt. Die Trasse der Hugo-Bahn ist als Radweg umgebaut worden und führt an dem Schrankenwärterhäuschen vorbei.

Die Siedlung Schüngelberg ist auch in der Route der Industriekultur aufgenommen.

Literatur Bearbeiten

  • Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die Blauen Bücher, Die alten Zechen an der Ruhr. 4. Auflage. Langewiesche K.R., 2000, ISBN 978-3-7845-6992-5.

Weblinks Bearbeiten

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