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St. Hippolytus ist eine katholische Pfarrkirche in Horst, Essener Straße11 .

Vorgeschiche Bearbeiten

Für den Historiker wird ein Ort erst aktuell durch Funde oder mit einer kon­kreten ersten Erwähnung. Das aber bedeutet keineswegs, dass Horst nicht schon vor jenem Jahre 1223 existiert hätte. In das hellere Licht der Geschichte tritt „Huorste" aber durch jene Urkunde, mit der Rudolf (1218 bis 1291; seit 1273 deutscher König) im Jahre 1282 dem Ritter Arnold von der Horst gestattet, vor seiner Burg „im Broiche" (Emscherbruch) eine befestigte Stadt, welche mit dem Rechte der benachbarten Stadt Dortmund ausgestattet sein sollte, zu bauen. Zwar wurde die Stadt nie gebaut und damit auch die in der Königsurkunde zuge­sprochenen Rechte hinfällig; doch wurde die auf dem Hause Horst bestehende Kapelle, bei der ein erster Geistlicher Ger(ardus) sacerdos im Jahre 1295 bezeugt ist, zum Ausgangspunkt für die Seelsorge und einen späteren Pfarrbezirk. Von besonderer Bedeutung sollte aber das Jahr 1581 werden, denn am 6. März stirbt mit Rutger, dem kurkölnischen Marschall, das Geschlecht „von der Horst" im Mannesstamme aus. Eine Tochter Margarete bringt ihrem Ehemann Bertram von Loe zu Geist und Palsterkamp das bedeutende Erbe zu. Deren Tochter Sibylle wiederum ist es, die Horst als Heiratsgut ihrem Ehemann Diet­rich von der Recke zubringt. Letzterer aber ist reformierten Bekenntnisses (Kal­vin). Unter dem neuen Schloßherrn wird die Schloßvikarie aufgelöst; katholi­scher Gottesdienst kann nicht mehr stattfinden. Dietrich aber läßt — womöglich auch unter einem gewissen Druck der kurfürstlichen kölnischen Behörde — für die Bewohner der „Freiheit und Herrlichkeit", die in der Mehrzahl Katholiken geblieben waren, auf der Burgfreiheit eine Kirche bauen. Diese hat bereits den heiligen Märtyrer Hippolytus zum Patron. Zur gleichen Zeit (1590) wird der Seelsorgebezirk von Gladbeck, St. Lamberti, abgetrennt und zur eigenen Pfar­rei erhoben. Offenbar kannte Dietrich seine Pflichten über das eigene Bekennt­nis hinaus, denn seit den ältesten Zeiten sind die Horsten Burgherren „Erbober­kirchenmeister" bei der Gladbecker Kirche. Mit den bisherigen Einkünften der Schloßvikarie baute Sibylle, Dietrichs Ge­mahlin, eine Schule in der Freiheit; die neue Pfarrstelle wurde mit den Einkünf­ten der Antoniusvikarie aus dem Hause Knippenburg bei Bottrop, das ebenfalls den von der Reckes gehörte, ausgestattet. Diese Zustände dauern an, bis am 9. Juni 1706 ein Enkel, Hermann Dietrich, Haus und Herrlichkeit an die Familie von Fürstenberg, die noch heute im Besitze ist, verkauft. Die neuen Aufsitzen wollten als Katholiken möglicherweise die alten Dotationsverhältnisse wieder­herstellen. Immerhin gelang es ihnen, mit der Lehrerstelle diejenige eines „Früh­messers" zu verbinden und ab 1786 für dauernd einen „Schulvikar" anzustellen, um hierdurch wenigstens teilweise der alten Stiftung gerecht zu werden. Die Schulvikarie ist 1877 endgültig aufgelöst worden. Ein erster Geistlicher in Horst, der uns mit vollem Namen erwähnt wird, ist Theodor Schriver (1475); zu gleicher Zeit ein „rector capellae" Wilhelmus und Johannes Raperti, „rector in Horst". Im Jahre 1518 ist Wolterus Surmunt Pastor und 1562 Theodor Suirimunt. Der erste eigentliche Pfarrer ist Hermann Scholten (1590); bis dahin Erzieher der beiden Kinder des Marschalls Rutger von der Horst, des Erbauers des bedeutenden Schlosses mit seiner Kapelle im Westflügel. Pfarrer Hermann Vollminghoff (1706 bis 1754) ist es, unter dessen Aegide Haus und Hof des Bürgers Heinrich Küper in der Nähe des Schlosses erworben werden. Mit Unterstützung der Fürstenberger Familie erbaut er hier auch die neue Kirche (1753). Durch die päpstliche Zirkumskriptionsbulle, mit der vor allem in Deutschland zahlreiche Bistümer neu umgrenzt werden, kommt im Jahre 1821 das Vest Reck­linghausen nach dem Übergang an die Krone Preußens im Wiener Kongreß (1815) mit den anderen Pfarreien dieses Territoriums zum Bistum Münster. Die Bulle trägt nach ihren Anfangsworten den Namen „De 'salute animarum" und wurde von Pius VII. erlassen. Horst blieb bei Münster bis zur Eingliederung in das neugegründete Bistum Essen am 1. Januar 1958. Als die Pfarrei 1821 an das Bistum Münster kommt (1821, vgl. oben), ist Adolf Ketteler (gest. 1860) Pfarrer. Sein Nachfolger wird Ferdinand Lenfert; unter ihm wird die Kirche vergrößert. Lenfert stirbt 1882. Wie im benachbarten Buer, so kann auch hier wegen des Kulturkampfes in Preußen die Pfarrstelle drei Jahre lang nicht besetzt werden. Erst 1885, nach dem Abbau der „Maigesetze" Bis­marcks, kann Joseph Wissing sein Amt als Pfarrer in Horst antreten. Er war es, der das erste Krankenhaus (heute Waisenhaus) an der Straße nach Essen im Jahre 1889 gründete. Sein Nachfolger Wilhelm Marferding aus Warendorf hatte schon, bevor er über Buer nach Horst kam, „Kulturkampferfahrung" durch eine vierwöchige Festungshaft in Wesel (dort übrigens zusammen mit einem an­deren Häftling, dem späteren Buerschen Amtmann August de la Chevallerie, der als preußischer Offizier Disziplinschwierigkeiten hatte.

GeschichteBearbeiten

Unter dem Amtmann de la Chevallerie wurde der heute stehende Bau der Pfarrkirche begonnen und 1898 vollendet. Die St. Hippolytuskirche wurde am 9. August 1898 durch den Bischof von Münster, Hermann Dingelstad, konsekriert. Pfarrer Marferding starb am 4. September 1910.

Pfarrer Wilhelm Wenker Bearbeiten

Ab 1910 ist Wilhelm Wenker als Pfarrer an St. Hippolytus in Horst. Geboren 1874 in Telgte und 1898 in Münster zum Priester geweiht, würde seine „vita" bei weitem den Rahmen dieser Abhandlung sprengen. Die sechsundvierzig Jahre seines Wirkens in Horst umfassen die Jahre des Ersten Weltkrieges, die Notzeiten der Besatzungs- und Arbeitslosenepoche, die schweren Jahre des nationalsozialistischen Druckes, die Katastrophe des zweiten Weltkrieges und seine unmittelbaren Folgen. Ehrendomkapitular am Dom zu Münster und Ehrenbürger unserer Stadt, stirbt er am 16. August 1956.

Pfarrer Wilhelm Beckmann Bearbeiten

Nachfolger wird Wilhelm Beckmann der bis 1969 Pfarrer in Horst ist.

Pfarrer Erich Happe Bearbeiten

Erich Happe, zugleich Dechant des Dekanates Gelsenkirchen-Horst. Während seiner Amtszeit findet eine umfassende Restaurierung der Kirche statt. Nachdem sich die Gemeinde während dieser Monate der Gastfreundschaft der evangelischen Kirchengemeinde in deren Gotteshaus erfreuen konnte, fand die erste Eucharistiefeier in der erneuerten Pfarrkirche mit dem Generalvikar des Bistums Essen, Prälat Johannes Stüting, am Vorabend des dritten Advents­sonntages, 15. Dezember 1984, statt.

Ausstattung Bearbeiten

Der Patronatsherr Freiherr von Fürstenberg schenkte den Bauplatz. Bernhard Hertel, der münsterische Architekt und spätere Kölner Dombaumeister, erstellte die Pläne. Die Kirche selbst, ein dreischiffiger Hallenbau mit vier Jochen und neugotischen Stilmerkmalen, steht in der Nachfolge der „Kölner Richtung" des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Je vier Walmdächer decken als Satteldach die Seitenschiffe; der 5/8-Schluß des Chores an der Südseite (die Kirche ist nicht geostet) bildet mit den polygonalen Abschlüssen der Seitenschiffe eine interessante Baugruppe. Der vorgesetzte Nordturm ist ebenfalls stark gegliedert und, wie die begleitenden Ecktürmchen, mit Spitzhelmen abgeschlossen. Die in satten Farb­stellungen gehaltenen Fenster im Chorabschluß und den Seitenkapellen gestalte­te der Ochtruper Glasmaler Hugbert Brouwers; dagegen steht das Langhaus im hellen Licht der Grisaille-Fenster von Hubert Spierling, Krefeld. Dieses Hell­dunkel verleiht dem Raum seine eigentümliche Dynamik. Die Altarinsel mit ih­rer quadratischen Mensa und der Tabernakelstele im Chorhaupt stammen von dem Bildhauer Ernst Rasche, Mülheim, von dem auch das Gesamtkonzept her­rührt; das Gitter an der Ostseite der Altarinsel schuf der Kunstschmied Heinz Schäpers, Gelsenkirchen. Die Bronzeplastik „Martyrium des heiligen Hippoly­tus" — früher am Hauptportal — befindet sich jetzt an der Außenwand des Ge­meindezentrums zur Kirche hin. Für 1986 ist eine Orgel der Werkstatt Rieger (Bregenz/Voralberg) mit 45 Registern vorgesehen. Die steinrichtige Fassung der Kapitelle gestaltete Professor Bernhard Schlüter, Münster. St. Hippolytus ist die dritte der ältesten Pfarren im Stadtgebiet; der erneuerte Backsteinbau bestätigt diesen kirchengeschichtlichen Rang auch nach dem Augenschein.

Die Kirche steht seit dem 15. Dezember 1992 auf der Denkmalliste.

Quelle Bearbeiten

Kirchen gaben der Stadt den Namen - Katholisches Stadtsekretariat Gelsenkirchen - 1986

Weblinks Bearbeiten

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