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Erhaltener Eingangsflügel von Schloß Horst mit Eckturm (2005)

Das Schloß Horst steht im Stadtteil Horst. Zur Zeit seines Baus im 16. Jahrhundert war es die größte vierflügelige Schlossanlage nördlich der Alpen und prägte durch seinen Baustil den Begriff der so genannten Lipperenaissance.

Bewohner und Besitzer Bearbeiten

Das Geschlecht der Herren von Horst ist seit 1186 nachweisbar. Ab 1363 sind sie in Urkunden als Lehnsmänner der Grafen von Kleve genannt und konnten sich und die Eigenständigkeit ihres Besitzes lange Zeit gegen den Machtanspruch des benachbarten Kölner Erzbistums behaupten. Im Laufe der Jahre aber lockerte sich die Bindung zu Kleve, und es erfolgte eine Annäherung an Kurköln. Rütger von Horst leistet schließlich im Jahre 1412 dem Kölner Erzbischof den Treueid, was eine Eingliederung der ehemals eigenständigen Herrschaft in das erzbischöfliche Vest Recklinghausen zur Folge hatte.

Der Bauherr des Schlosses, ebenfalls mit Namen Rütger, kam 1547 durch Erbteilung in den alleinigen Besitz der damaligen Burg. Rütger bekleidete unter insgesamt sechs Kölner Kurfürsten das Marschallsamt, und Erzbischof Salentin von Isenburg ernannte ihn kurz vor seiner Abdankung sogar zum Kölner Statthalter im Vest Recklinghausen.

Jener Rütger ließ an der Stelle der alten Burg einen prachtvollen Neubau errichten. Jedoch verstarb er bereits drei Jahre nach Abschluss der Bauarbeiten (1578) zu seinem neuen Schloss. Und da auch seine beiden Söhne aus der Ehe mit Anna von Palandt-Keppel bereits früh verstorben waren, brachte seine Erbtochter Margarethe die Anlage durch Heirat an die Familie von Loë zu Palsterkamp und Geist.

Der neue Schlossherr, Betram von Loë, starb jedoch ebenfalls, ohne einen männlichen Erben zu hinterlassen. Sibylla, eine seiner beiden Töchter, erbte Schloss und Herrlichkeit Horst und brachte diesen Besitz in die Ehe mit einem Herren von der Recke.

1706 verkaufte dessen Nachfahr, Hermann Dietrich Freiherr von der Recke, das Schloss an den Freiherren Ferdinand von Fürstenberg. Dieser aber nutzte die Anlage niemals als dauerhaften Wohnsitz, sondern zog es vor, in einem der vielen anderen Schlösser der Familie wie z. B. Schloss Herdringen, Schloss Schellenberg oder Schloss Adolfsburg zu logieren.

1988 erwarb die Stadt Gelsenkirchen die damalige Schlossruine und ließ sie teilweise wieder aufbauen.

Baugeschichte Bearbeiten

Vorgängerbauten Bearbeiten

Eine erste urkundliche Erwähnung als Burg fand das Haus Horst im Jahre 1282, doch Ausgrabungen auf dem Schlossgelände zeigten, dass am Ort der einstigen Vorburg bereits im 11./12. Jahrhundert eine Hofstelle existierte.

Gerhard von der Horst ließ an der Hofstelle im ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts einen künstlichen Hügel von zwei Meter Höhe und etwa 40 Meter Durchmesser aufwerfen und errichtete auf ihm eine Wehranlage aus Holz. Zu jener Zeit bestand die Burg aus einem Hauptgebäude, einem sechs- bzw. achteckigen Torturm und zwei weiteren Nebengebäuden aus Holz, die von einer Palisade und einem Wassergraben umgeben waren. Die Anlage wurde jedoch im späten 13. Jahrhundert das Opfer eines Brandes.

Anschließend ließen die Besitzer den Hügel weiter erhöhen und die Reste der Holz/Erde-Befestigung durch einen steinernen, 11 mal 8 Meter messenden Wohnturm ersetzen sowie diesen von einer Ringmauer umgeben. Zu jener Zeit existierte bereits direkt vor der Anlage eine kleine Burgfreiheit, die von einer Gräfte umgeben war.

Ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist eine Burgkapelle für Horst nachweisbar, denn im Jahre 1295 wurde in Urkunden erstmals ein Hausgeistlicher erwähnt.

Vielleicht noch im 15., spätestens aber in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kamen weitere An- und Zubauten aus Backstein innerhalb der Ringmauer hinzu. Grabungen konnten neben dem auf 19 mal 11 Meter erweiterten Wohnturm mit Kloakenanlage einen zweigeschossigen Backsteinbau (16 mal 10 Meter), einen Rundturm und einige weitere Bauten im Torbereich der Anlage nachweisen.

Renaissance-Neubau Bearbeiten

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Der Erker des Eingangsflügels von Wilhelm Vernukken (2005)

Als Burg Horst im Frühjahr 1554 ein weiteres Mal durch ein Feuer zerstört wurde, ließ sie ihr Besitzer, Rütger von Horst, nicht erneut neu aufbauen, sondern ließ die Reste der väterlichen Burg 1559 niederlegen und beauftragte den Arnheimer Stadtbaumeister Arndt Johannsen to Boecop mit der Errichtung eines zweiflügeligen Wasserschlosses im Stil des niederländischen Manierismus, das den gehobenen Wohn- und Repräsentationsansprüchen des Vestischen Statthalters Genüge tun sollte. Unter Johannsens Federführung entstanden ab 1556 in der mittlerweile verlandeten Gräfte der alten Burganlage ein dreigeschossiger Eingangs- und ein nordwestlich angrenzender Wohnflügel mit zwei Geschossen und Walmdach. Die Ecken der Anlage bildeten drei vorspringende, quadratische Ecktürme mit Welscher Haube.

Nach dem Weggang Johannsens folgte ihm als Baumeister Joist de la Court nach, der zuvor schon als Bildhauer in Diensten der Herren von Horst tätig gewesen war. Unter ihm erfolgte der Ausbau des Schlosses zu einer Vierflügelanlage. Reste alter Fundamente des Südwest- und Südost-Flügels zeigen, dass diese ähnlich breit und hoch wie die beiden bereits bestehenden Flügel geplant waren. Schließlich wurde aber schon während des Baus von diesen Plänen Abstand genommen. Um den entstehenden Innenhof ausreichend hell zu halten, kamen sie nur in schmalerer Form und eingeschossig zur Ausführung. Der vierte, hinzukommende Eckturm wurde zwar von den Grundmaßen gleich groß wie seine drei Vorgänger angelegt, besaß mit nur zwei Geschossen jedoch ein Stockwerk weniger. Als Baummaterial diente Sandstein, der aus Brüchen in Mülheim an der Ruhr und aus den Baumbergen stammte.

Architektonisch lehnte sich der Horster Schlossbau an Vorbilder der italienischen Palazzi an. Als erste Anlage im südlichen Westfalen wurde beim Bau ein strenge Unterscheidung von öffentlichen Verkehrsflächen und Privaträumen vorgenommen, indem man hofseitige Galerien zur Erschließung der einzelnen Räume erbaute. Ebenfalls durch die italienische Renaissance beeinflusst war der Bau eines repräsentativen und großzügigen Treppenhauses, womit man auf einen bis dahin üblichen, der Fassade vorgelagerten Treppenturm verzichtete.

Dem Hauptschloss auf einer eigenen Insel vorgelagert war eine Vorburg, die durch eine Steintreppe mit dem Hauptgebäude verbunden war. Die Gesamtanlage war von einem durch die Emscher gespeisten Schlossteich umgeben und nur über eine Zugbrücke am Torhaus der Vorburg von außen zu betreten.

Für die Ausstattung der Innenräume und die Gestaltung der Fassaden nahm der Bauherr namhafte Bildhauer, Steinmetze und Künstler in seine Dienste. Für die Gestaltung der Gebäudefassaden war vornehmlich Laurenz von Brachum aus Wesel verantwortlich. Auf seine üppige Ausgestaltung der plastischen Dekorationen und Friese durch unzählige, detailreiche, sich nie wiederholende Ornamente und Reliefs geht der kunsthistorische Begriff Lippe-Renaissance zurück. Die schmuckreiche Bauskulptur und -ornamentik wird heutzutage als der „Steinerne Schatz“ bezeichnet. Dem Umstand, dass König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen 1850/51 plante, den Horster Hausteinschmuck zu kaufen, verdankt die Bauforschung 23 der wenigen bildlichen Darstellungen des Schlosses aus der Feder des Architekten Gustav Greiß, der mit einer Bestandsaufnahme beauftragt worden war.

Für die Innengestaltung zeichneten maßgeblich der niederländische Bildhauer Heinrich Vernukken und sein Sohn Wilhelm verantwortlich. Allein acht prunkvoll gestaltete Kaminbauten im Schloss wurden durch ihre Werkstatt ausgeführt. Die Innenräume besaßen zudem eine aufwändige farbliche Gestaltung. Bei Restaurierungsarbeiten wurden in mehreren Räumen Reste figürlicher und ornamentaler Malerei entdeckt.

Wilhelm Vernukken beteiligte sich darüber hinaus auch an Arbeiten zur Fassadengestaltung. So stammt der noch heute erhaltenen Erker an der Straßenseite des Eingangsflügels von ihm.

Neuzeit bis Gegenwart Bearbeiten

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Teile der alten Bausubstanz im neu aufgebauten Wohnflügel (2005)

Nachdem Schloß Horst durch die Freiherren von Fürstenberg, die noch umfangreiche Reparatur- und Sanierungsarbeiten vornehmen ließen, nicht mehr dauerhaft genutzt wurde, setzte ein allmählicher Verfall der Anlage ein. Der statisch unsichere Baugrund der alten Burggräfte tat sein Übriges. 1829 stürzte der Westturm ein und riss einen Teil des Nordwestflügels mit sich. Die Reste des Turms wurden daraufhin abgetragen, während man die nun offene Flanke der Anlage mit einer schlichten Fassade schloss. Im Frühjahr 1833 stürzte dann der Nordturm und Heiligabend 1843 der Südturm ein. Während dieser Zeit wurden vermutlich auch der Südost- und der Südwestflügel niedergelegt. 1853/54 folgte Schließlich auf Anordnung des preußischen Regierungspräsidiums der Abbruch des östlichen Turms samt sich anschließendem Nordostflügel. Auch die Vorburg und die Burgfreiheit wurden noch im 19. Jahrhundert niedergelegt, so dass schließlich nur noch der Eingangsflügel und ein Ansatz des ehemaligen Wohnflügels mitsamt Fundamenten des dazugehörigen Eckturms erhalten blieben.

Der Fürstenberg-Familie gelang es immerhin, Einzelstücke der wertvollen Fassadendekoration sowie Teile von Portalen und Kaminen vor dem endgültigen Untergang zu retten. Drei Kaminaufbauten (darunter der so genannte Troja-Kamin von 1577) fanden im Schloss Hugenpoet, welches ebenfalls zum Familienbesitz zählte, ein neues Zuhause. Ein weiterer Kamin wurde nach Burg Rheinstein verbracht, und einige Plastiken wurden bei Um- und Neubauten auf Schloss Borbeck genutzt.

In den noch erhaltenen Teilen von Schloß Horst wurde einige Jahre lang noch eine Gastronomie betrieben, ehe in den 1970er Jahren dort eine Diskothek einzog. Jedoch trug keiner der Nutzer zum Erhalt der historischen Bausubstanz bei.

In der Zeit von 1961 bis 1965 erfolgten zwar erstmals Restaurierungsmaßnahmen an der Straßenfassade des Eingangsflügels, jedoch konnte dies dem zunehmenden Verfall der Anlage nur geringfügig entgegenwirken.

Auf Betreiben des 1985 gegründeten Fördervereins Schloß Horst kaufte die Stadt Gelsenkirchen die Anlage im Jahre 1988, um sie vor dem endgültigen Ruin zu retten. 1992 erfolgte die Ausschreibung eines Architekturwettbewerbs, nach dessen Gewinnerentwurf das Schloss von 1995 bis 1999 restauriert und unter Einbezug noch vorhandener, historischer Bauelemente zum Teil wieder aufgebaut wurde.

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Schloss heute (2005)

Das Schloss heute Bearbeiten

Das Schloß Horst wird heute als Kultur- und Bürgerzentrum der Stadt Gelsenkirchen genutzt.

In zwei restaurierten, historischen Sälen ist das städtische Standesamt untergebracht.

Im Erdgeschoss des Eingangsflügels wurde ein kleines Schlossmuseum eingerichtet, das neben wiederhergestellter Innenausstattung auch Teile des durch die Freiherren von Fürstenberg geretteten Fassadenschmucks zeigt.

Das Kellergeschoss des Schlosses beheimatet heutzutage ein Restaurant.

Im Rahmen einer öffentlichen, kostenlosen Führung kann das Schloß Horst einmal im Monat besichtigt werden.

Literatur Bearbeiten

  • Elmar Alshut: Schloß Horst: Baugeschichte – stilistische Einordnung – Verfall – Konzepte und Maßnahmen zur Erhaltung. In: Elmar Alshut, Guido von Büren, Marcel Perse (Hrsg.): Ein Schloss entsteht… Von Jülich im Rheinland bis Horst in Westfalen. Jülicher Geschichtsverein 1923 e.V., Jülich 1997, ISBN 3-930808-06-4, S. 45–54.
  • Klaus Gorzny: Emscherschlösser. Ein Wegbegleiter. Piccolo Verlag, Marl 2001, ISBN 3-9801776-5-3, S. 43–49.
  • C. Kneppe, Hans-Werner Peine: Haus Horst im Emscherbruch. Stadt Gelsenkirchen, Heft 21 aus der Reihe Frühe Burgen in Westfalen, Münster 2004.
  • August Kracht: Burgen und Schlösser im Sauerland, Siegerland, Hellweg, Industriegebiet. Ein Handbuch. Umschau Verlag. Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-8035-8011-0, S. 279–287.
  • Hans-Werner Peine: Denkmal: Schloss Horst. Ein Haus im Wandel der Zeit. In: Archäologie in Deutschland, Heft 2/2003, Stuttgart 2003, ISSN 0176-8522, S. 66–67.
  • Hans-Werner Peine: Unter dem Pflaster. Ein Hof gibt seine Geheimnisse preis. Ergebnisse der Ausgrabungen auf Schloß Horst. In: Elmar Alshut, Guido von Büren, Marcel Perse (Hrsg.): Ein Schloss entsteht… Von Jülich im Rheinland bis Horst in Westfalen. Jülicher Geschichtsverein 1923 e.V., Jülich 1997, ISBN 3-930808-06-4, S. 55–59.

Weblinks Bearbeiten

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