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Das Kunstmuseum Gelsenkirchen ist ein städtisches Museum in Buer unter Leitung von Leane Schäfer. Schwerpunkte des Hauses sind, neben der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, eine umfangreiche Sammlung kinetischer Kunst, sowie Arbeiten des gebürtigen Gelsenkircheners Anton Stankowski.

Geschichte Bearbeiten

Gründung Bearbeiten

Das Städtische Museum Gelsenkirchen wurde 1950 gegründet. Dem ersten Museumsdirektor Dr. Bernd Lasch stand ein für die damalige Zeit relativ hoher Ankaufsetat zur Verfügung, mit dem systematisch eine Sammlung geschaffen wurde, die einen Querschnitt der Kunstentwicklungen ab dem 19. Jahrhundert darstellt. Erstmals vollständig gezeigt wurde die Sammlung ab 1957 in einer Gründerzeit-Villa an der Horster Straße.

In den Jahren nach dem Ausscheiden von Lasch im Jahre 1966 wurde der Ankaufsetat stetig reduziert, was zu einer Stagnation der Sammlung führte und zu kunstgeschichtlichen Lücken, etwa im Bereich der klassischen Moderne, die bis heute nicht gefüllt werden konnten. Die Sammlung verschwand für Jahre im Magazin.

1971 wurde ein neuer Museumsleiter berufen und die Sammeltätigkeit in bescheidenem Rahmen wieder aufgenommen. Die Sammlung blieb jedoch weiterhin im Magazin.

Museumsneubau Bearbeiten

Anfang der 1980er Jahre bildete sich eine Bürgerinitiative, der u.a. der städtische Kulturdezernent Peter Rose angehörte, die mit zurückhaltenden Schritten die Grundlagen für den Bau des heutigen Museumsbaus legte. Ein Baukostenzuschlag des Landes Nordrhein-Westfalen ermöglichte schließlich den Beginn der Planungen. Der erste Bauabschnitt des von dem Gelsenkirchener Architekten Albrecht Egon Wittig entworfenen Museums konnte 1984 eröffnet werden.

Der Neubau steht in baulicher Verbindung zu der heute für Wechselausstellungen genutzten Alten Villa. Der von Wittig geplante Erweiterungsbau konnte bis heute nicht verwirklicht werden.

Museum heute Bearbeiten

Eine Besonderheit des Kunstmuseums Gelsenkirchen ist der freie Eintritt, eine Seltenheit in der deutschen Museumslandschaft. Neben der ständigen Ausstellung werden in der Alten Villa Wechselausstellungen gezeigt, teils vom Museum selbst, teils vom Kunstverein Gelsenkirchen e.V. realisiert. Wiederkehrende Ausstellungen sind die Jahresschauen Gelsenkirchener Künstler, sowie die in Kooperation mit der Kunstakademie Münster organisierten Ausstellungen junger Künstler.

Die von Doris Edler geleitete Museumspädagogik vermittelt Kindern und Jugendlichen, besonders in Ferienzeiten, eine spielerische und praktische Annäherung an die Kunst.

Sammlung Bearbeiten

Gemälde und Graphik Bearbeiten

Der Schwerpunkt der Gemälde und Graphiksammlung liegt auf den Strömungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie z. B. Impressionismus, Fauvismus, Expressionismus (hier vor allem die Maler der Künstlergruppe "Die Brücke") und Suprematismus. Vertretene Künstler dieser Epochen sind u. a.:

  • Lovis Corinth
  • Max Ernst
  • Hannah Höch
  • Ernst Ludwig Kirchner
  • Max Liebermann
  • August Macke
  • László Moholy-Nagy
  • Otto Mueller
  • Heinrich Nauen
  • Emil Nolde
  • Pablo Picasso
  • Hermann Max Pechstein
  • Karl Schmidt-Rottluff
  • Max Slevogt

Die Kunst ab 1945 ist mit Werken des Surrealismus, Konstruktivismus (Kunst)|Konstruktivismus, Tachismus und Pop-Art bis hin zu Arbeiten aus jüngerer Zeit vorhanden. Vertretene Künstler dieser Epochen sind u. a.:

  • Karel Appel
  • Konrad Klapheck
  • René Magritte
  • Franz Radziwill
  • Gerhard Richter
  • Victor Vasarely

Plastik Bearbeiten

Plastische Objekte findet man sowohl im Museum, als auch im Außenbereich, auf dem Vorplatz und im Museumsgarten. Vertretene Künstler sind u.a.:

  • Will Brands
  • Ewert Hilgemann
  • Wulf Kirschner
  • Diethelm Koch
  • HD Schrader
  • H. H. Zimmermann

Kinetische Kunst Bearbeiten

Ein Schwerpunkt des Hauses ist die Sammlung Kinetischer Kunst, die zu den größten in Europa gehört. Diese teils elektrisch betriebenen Arbeiten befassen sich mit Bewegung, Licht und Klang. Das Interesse an Kinetik rührt nicht zuletzt daher, dass die Künstlergruppe ZERO in den 1960er Jahren in Gelsenkirchen ausstellte. Das Kinetische Abteilung umfasst u.a. Arbeiten von:

  • Kees Aafjes
  • Sandro Antal
  • Harmut Böhm
  • Pol Bury
  • Gianni Colombo
  • Carlos Cruz-Diez
  • Leo Erb
  • David Fried
  • Hermann Goepfert
  • Kuno Gonschior
  • Hans Martin Ihme
  • Julio Le Parc
  • Adolf Luther
  • Heinz Mack
  • Jesus Rafael Soto
  • George Rickey
  • Peter Sedgley
  • Ferdinand Spindel
  • Günther Uecker
  • Peter Vogel
  • Jörg Wiele

Anton Stankowski Bearbeiten

In jüngerer Zeit kam das Museum in den Besitz von Arbeiten des in Gelsenkirchen geborenen Künstlers und Kommunikationsdesigners Anton Stankowski. Die vornehmlich aus Serien von Siebdrucken, aber auch aus Skizzen und Fotographien bestehende Sammlung wird in der ständigen Sammlung präsentiert.

Gelsenkirchener Künstler Bearbeiten

Die Sammlung beinhaltet auch Werke von Gelsenkirchener Künstlern. u.a.:

Besondere Ereignisse Bearbeiten

Tree-Art Bearbeiten

1970 lancierten der Gelsenkirchener Schriftsteller Phillip Wiebe und der Volkshochschuldirektor Dr. Rainer Kabel die Ausstellung "Tree-Art" im Städtischen Museum, ein Experiment zur Infragestellung moderner Kunst. [1] Der dabei als Entdeckung von hohem künstlerischen Rang präsentierte venezolanische Künstler Miguel Remedios war in Wirklichkeit ein Volksschullehrer aus Herne und der künstlerisch verarbeitete Baumstamm stammte aus Phillip Wiebes Garten. Die Gelsenkirchener Prominenz zeigte jedoch großes Interesse an der vermeintlich hochkarätigen Ausstellung. Nachdem die Initiatoren den Blöff offenbart hatten, schlug ihnen nicht nur Lachen, sondern auch handfester Unmut von Seiten der Stadtverwaltung und einiger Personen des öffentlichen Lebens entgegen, die sich durch die Aktion bloßgestellt sahen. Letztlich konnte man sich aber darauf einigen, die "Tree-Art"-Ausstellung als kreativen Scherz anzuerkennen und ihr damit einen eigenen künstlerischen Wert zuzugestehen.

Die Idee der "Tree-Art" wurde später von Kunstverein Gelsenkirchen e.V wieder aufgegriffen. Seither werden regelmäßig Künstler eingeladen, Bäume im Stadtgebiet künstlerisch zu gestalten.

Kunstraub Bearbeiten

Am 8. August 2008 wurden gegen 11:00 Uhr drei wertvolle Grafiken aus dem Museum gestohlen. [2] Es handelte sich um Arbeiten von Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner und Otto Mueller. Der Wert der gestohlenen Arbeiten wird auf mehrere 10 000 Euro geschätzt. In der Folge dieses Diebstahls, der großes öffentliches Interesse erregte, entstand eine Diskussion um den seit Jahren zu niedrigen Etat des städtischen Hauses, fehlenden Versicherungsschutz und die Leitung des Hauses, die sich zu diesem Zeitpunkt auf drei Personen, Doris Edler, Leane Schäfer und Rainer Hellrung, aufteilte. Eine der ersten Maßnahmen der Stadtverwaltung war die Einsetzung von Leane Schäfer als alleinige Museumsleiterin. [3] Kurz darauf wurde das Städtische Museum Gelsenkirchen in Kunstmuseum Gelsenkirchen umbenannt.

Literatur Bearbeiten

  • Kinetische Kunst, Städtisches Museum Gelsenkirchen, Edition Braus, 1998, ISBN 3-89466-218-2

Quellen Bearbeiten

  1. Über die Ausstellung Tree-Art, 1970
  2. "Kunstdiebstahl - Wir sind doch hier in der Provinz", WAZ 8.8.2008
  3. "Nach dem Kunstklau - Jetzt Solo-Spitze im Museum", WAZ 13.8.2008

Weblinks Bearbeiten