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Hanno Kesting (* 12. Dezember 1925 in Erle; † 1975) war deutscher Soziologe.

Leben Bearbeiten

Hanno Kesting erlebte als Wehrpflichtiger die letzten Jahre des Zweiter Weltkrieg und geriet in vierjährige britische Kriegsgefangenschaft. Noch während dieser Zeit begann er ein Studium der Theologie. Nach seiner Entlassung schrieb er sich an der Universität Heidelberg ein, um Soziologie, Geschichte und Philosophie zu studieren. Wie seine Kommilitonen Reinhart Koselleck und Nicolaus Sombart besuchte Kesting das Privatissimum Alfred Webers, geriet jedoch wie diese während dieser Zeit unter den Einfluss Carl Schmitts, der sich in Kestings Dissertation Utopie und Eschatologie, Ein Beitrag zur Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts (1952) niederschlug. Schmitt hatte Kesting auch die Übersetzung von Karl Löwiths Meaning in History (1949; dt. 1952 als Weltgeschichte und Heilsgeschehen) vermittelt.

Auf den Thesen der Dissertation – einer Kritik der fortschrittsorientierten Geschichtsphilosophie als „Bürgerkriegsphilosophie“ – basierte Kestings „umfangreichstes und wichtigstes Buch,Geschichtsphilosophie und Weltbürgerkrieg (1959).

Nach seiner Promotion erlebte Kesting eine wechselvolle Karriere. Er arbeitete zunächst an der Sozialforschungsstelle an der Universität Münster und war zeitweise Stadtverordneter der Freie Demokratische Partei - FDP in seinem Wohnort Wetter (Ruhr). 1957 wurde er als Dozent für Soziologie an die Hochschule für Gestaltung Ulm berufen, verließ Ulm jedoch 1959 und wurde für ein Jahr bei der Frankfurter Rundschau Leiter des Kulturressorts. 1962 wurde Kesting von Arnold Gehlen als Assistent an die Technische Hochschule Aachen berufen. Dort habilitierte er sich mit der Schrift Öffentlichkeit und Propaganda (1966), einem „Anti- Habermas“. Das Werk blieb zeitlebens ungedruckt, erst 1995 wurde die Habilitationsschrift veröffentlicht.

1968 wurde Kesting als Ordinarius an die Ruhr-Universität Bochum berufen. Er rieb sich auf in Auseinandersetzungen mit der studentischen Linken; auch Kollegen hatten Vorbehalte seiner politischen Einstellung wegen und legten ihm sogar nahe, den Ruf abzulehnen.

Hanno Kesting, der an Alkoholproblemen gelitten hatte starb 1975 an den Folgen einer Operation.

Hanno Kesting war Bruder der Literaturwissenschaftlerin Marianne Kesting.

Schriften Bearbeiten

  • Utopie und Eschatologie (Diss., Heidelberg), 1952
  • Das Gesellschaftsbild des Arbeiters (mit Heinrich Popitz, Hans Paul Bahrdt und Ernst August Jüres, 1957)
  • Geschichtsphilosophie und Weltbürgerkrieg, 1959
  • Herrschaft und Knechtschaft, 1973
  • Öffentlichkeit und Propaganda, (1966, 1974) 1995

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten