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Ernst Käsemann (* 12. Juli 1906 in Bochum-Dahlhausen; † 17. Februar 1998 in Tübingen) war lutherischer Theologe und Universitätsprofessor.

LebenBearbeiten

Käsemann promovierte 1931 bei Rudolf Bultmann an der Universität Marburg und gilt als dessen profiliertester Schüler. Als Professor für das Neue Testament an der Universität Göttingen schrieb er 1954 den epochalen Aufsatz "Das Problem des historischen Jesus". Darin hielt er gegen seinen Lehrer Bultmann gesichertes Wissen über Jesu Leben und Botschaft für möglich, wobei er wieder an Ferdinand Christian Baur anschloss (Leben Jesu Forschung).

Er legte ein doppeltes Differenzkriterium an die synoptische Tradition an: "Echt" ist ein Jesuslogion, wenn es sich weder aus der jüdischen Umwelt noch aus Leben und Lehre des Urchristentums erklären lässt. Hinzu kamen die Kriterien der Mehrfachbezeugung und der Übereinstimmung (Kohärenz) mit anderen als echt erwiesenen Jesusworten. Diese Kriterien haben sich in der Jesusforschung durchgesetzt und wurden 30 Jahre lang ihre dominierende Arbeitsmethode.

Darüber hinaus sah Käsemann die jüdische Apokalyptik, in die er Jesu Botschaft einordnete, als prägendes Element der paulinischen Rechtfertigungslehre und "Mutter der Theologie des Neuen Testaments" an. Insofern war er einer der letzten Neutestamentler, die einen historisch-theologischen Gesamtentwurf präsentieren konnten.

Von 1933 bis 1946 war Käsemann Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde in Rotthausen. Er führte die Gemeinde auf den Weg des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.

Käsemann war von 1946–1952 Professor für Neues Testament an der Universität Mainz, danach bis 1959 in Göttingen und schließlich bis 1971 an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Seine Tochter Elisabeth Käsemann wurde während der Militärdiktatur in Argentinien von Militärs entführt, gefoltert und am 24. Mai 1977 ermordet. Gegen die Täter bestehen seit 2003 internationale Haftbefehle. Die Bundesregierung hat die Auslieferung der Verantwortlichen beantragt.

Zitat Bearbeiten

  • Ein Christ ist ein freier Mensch, er geht durch alle Lager dieser Welt, nur seinem Herrn gehörig.
  • Der biblische Kanon erklärt nicht die Einheit der Kirche, sondern die Vielfalt der Konfessionen. (1951)

Schüler Bearbeiten

  • Landesbischof Dr. Johannes Friedrich
  • Bischof i.R. Dr. Walter Klaiber
  • Prof. Dr. Peter Stuhlmacher
  • Prof. Dr. Wolfgang Schrage

Weblinks Bearbeiten

QuellenBearbeiten